Wissen allein reicht nicht aus
Eine Schulung vermittelt Wissen: Stressanzeichen erkennen, besser kommunizieren, zusammenarbeiten. Doch zwischen dem Verstehen einer Empfehlung und ihrer Umsetzung unter Druck liegt eine Kluft, die jeder Personalverantwortliche nur zu gut kennt.
Die Kompetenzen, die Teams am dringendsten benötigen – wie zum Beispiel angesichts Unvorhergesehenem die Ruhe zu bewahren, sich schnell abzustimmen oder sich gegenseitig zu unterstützen –, lassen sich nicht allein durch theoretische Erläuterungen erlernen. Sie werden durch das Erleben aufgebaut.
Hier kommt SporThéraPsy ins Spiel. Die Methode wurde seit 2020 in Genf von Yann Bouzidi und Adrien Chaillot unter dem Motto „Durch den Körper, für den Geist“ entwickelt und vereint drei Elemente: körperliche Aktivität, Psychoedukation und gemeinsames Erleben. Jedes davon erfüllt ein bestimmtes Bedürfnis, wobei die ersten beiden auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.
Was die Wissenschaft sagt
1. Bewegung wirkt sich auf die psychische Gesundheit aus
Im Jahr 2023 veröffentlichte ein Team der University of South Australia im „British Journal of Sports Medicine“ eine der umfangreichsten Übersichtsarbeiten, die jemals zu diesem Thema erstellt wurden: 97 systematische Übersichtsarbeiten, 1.039 kontrollierte Studien, 128.119 Teilnehmer.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Körperliche Aktivität lindert die Symptome von Depressionen, Angstzuständen und psychischer Belastung im Vergleich zur üblichen Behandlung. Die Autoren empfehlen, sie zu einem „zentralen Bestandteil“ der Behandlung zu machen. Alle Arten von körperlicher Aktivität sind wirksam, und die Wirkung nimmt mit der Intensität zu:
Ein weiteres nützliches Ergebnis für Unternehmen: Kurze Maßnahmen führten zu besseren Ergebnissen als sehr lange Programme.
2. Das eigene Erleben zu verstehen, verringert psychische Belastung
Bei der Psychoedukation geht es darum, auf einfache Weise zu erklären, wie Stress, Emotionen und unsere Reaktionen funktionieren. Eine in BMC Medicine veröffentlichte Metaanalyse (Donker et al., 2009) zeigt, dass bereits kurze Interventionen dieser Art depressive Symptome und psychische Belastung verringern. Der Effekt ist zwar bescheiden, aber real und lässt sich zu sehr geringen Kosten erzielen. Die Autoren betonen zudem, dass die Qualität der Psychoedukation eine wichtige Rolle spielt.
SporThéraPsy stützt sich auf Konzepte aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die die Zusammenhänge zwischen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen beleuchten.
3. Die gemeinsame Erfahrung stellt die Verbindung zur Arbeit her
Darin liegt die Stärke der Methode: Sie stellt Sport und Theorie nicht nebeneinander, sondern verbindet sie miteinander. Eine gemeinsame Übung, die eine schnelle Koordination erfordert, konfrontiert die Teilnehmer mit dem, was sie bei der Arbeit erleben: unklare Anweisungen, Unvorhergesehenes, das Bedürfnis nach Vertrauen. Die anschließende Austauschrunde ermöglicht es, das Geschehene zu benennen und auf das Berufsleben zu übertragen.
Körperliche Aktivität wirkt sich auf die Stimmung aus, die Psychoedukation liefert Schlüssel zum Verständnis, und die gemeinsame Erfahrung verankert das Gelernte in der Gruppe.
Fünf Jahre Zusammenarbeit: Was ich vor Ort erlebt habe
Haniya Eduin, Mitbegründerin des IHST, arbeitet seit fünf Jahren mit SporThéraPsy zusammen.
„In den letzten fünf Jahren habe ich gesehen, wie sich die Vorteile dieses Ansatzes Gruppe für Gruppe bestätigt haben.
Teams, die zuvor kaum miteinander gesprochen haben, beginnen nun, sich abzustimmen, gemeinsam zu lachen und sich gegenseitig zu ermutigen. Mitarbeiter, die sich in Besprechungen sonst nie zu Wort gemeldet hätten, melden sich nun im Austausch zu Wort. Und vor allem gehen die Teilnehmer mit einem gemeinsamen Vokabular nach Hause: Sie können benennen, was sie erlebt haben, und wenden dieses Vokabular anschließend bei der Arbeit an.
Diese Vorteile sind real. Heute arbeiten wir gemeinsam daran, sie zu objektivieren, indem wir messbare Indikatoren in den begleiteten Teams verfolgen.
Was mich überzeugt, ist die Kombination. Die Bewegung baut Barrieren ab, die Psychoedukation verleiht Sinn, und die Gemeinschaft verankert das Gelernte. Es ist eine Prävention, die gelebt wird, und deshalb bleibt sie bestehen.“
Warum empfiehlt das IHST SporThéraPsy?
Dieser Artikel basiert auf einer gemeinsamen Feststellung: Die in der Praxis beobachteten Auswirkungen sind so deutlich, dass das IHST den von ihm betreuten Organisationen heute „SporThéraPsy“ empfiehlt. Drei Aspekte begründen diese Empfehlung.
1. Gestärkte Teamdynamik. Indem die Mitarbeiter gemeinsam Situationen erleben, die Koordination und Vertrauen erfordern, entdecken sie neue Wege der Zusammenarbeit. Die Beziehungen entwickeln sich weiter, und diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Arbeit aus.
2. Sinnstiftende Psychoedukation. Begriffe wie Stress, Emotionen oder Motivation bleiben nicht theoretisch: Sie werden mit einer gelebten Erfahrung verknüpft, was ihr Verständnis und ihre Aneignung erleichtert.
3. Ein nachhaltiger Beitrag für die Teams. Was gemeinsam erlebt wurde, bereichert den Austausch und die Arbeitspraktiken des Teams noch lange nach Abschluss des Programms.
Für das IHST ergänzt SporThéraPsy auf sinnvolle Weise die Risikoanalyse und die Maßnahmen zur Arbeitsorganisation: Es wirkt dort, wo sich die Beziehungen und Ressourcen der Gruppe entwickeln.
Ein strenger Rahmen
• Für alle zugänglich. Die Methode richtet sich an alle, unabhängig von Alter und körperlicher Verfassung. Die Aktivitäten werden an jeden Einzelnen angepasst: Es geht nicht um sportliche Leistung.
• Freiwillig. Die Teilnahme erfolgt auf freiwilliger Basis unter Berücksichtigung der individuellen Grenzen.
• Vertraulich. Was während der Gespräche gesagt wird, bleibt in der Gruppe.
• Ergänzend. Ein Workshop ersetzt weder die Bewertung beruflicher Risiken noch arbeitsorganisatorische Maßnahmen. Er ergänzt diese vielmehr.
Wie wäre es, wenn Ihre Teams es einmal ausprobieren würden?
Der beste Weg, SporThéraPsy zu verstehen, ist, es selbst zu erleben.
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Quellen und Literaturangaben
• Singh B., Olds T., Curtis R. et al. (2023). Wirksamkeit von Bewegungsinterventionen zur Linderung von Depressionen, Angstzuständen und psychischer Belastung: ein Überblick über systematische Übersichtsarbeiten. British Journal of Sports Medicine, doi:10.1136/bjsports-2022-106195.
• Donker T., Griffiths K.M., Cuijpers P., Christensen H. (2009). Psychoedukation bei Depressionen, Angstzuständen und psychischer Belastung: eine Metaanalyse. BMC Medicine, 7:79.
• Gesundheitsförderung Schweiz (2022). Job-Stress-Index 2022, Informationsblatt 72.